Radunfälle in den Medien

Zwei „wunderbare“ Beispiele, erst einmal wertfrei vorgetragen und mit meiner Wertung versehen.

KStA

Am Donnerstag Mittag sind in Köln gleich zwei Radfahrerinnen schwer verletzt worden. Der erste Unfall ereignete sich in Zollstock, der zweite auf dem Lindenthalgürtel. Beide Frauen mussten schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. []

Fall 1

Eine Frau überquert die Fahrbahn (Straße) auf der Radverkehrsanlage (Radweg), aber entgegen der Fahrtrichtung. Sie wird von einem abbiegenden Kraftfahrer übersehen und angefahren.

Hergang bei Velo 2010.

Fall 2

Eine Frau überquert die Fahrbahn (Straße) auf der Radverkehrsanlage (Radweg), in vorgeschriebener Fahrtrichtung. Sie wird von einem abbiegenden Kraftfahrer übersehen und bremst zur Kollisionsvermeidung so stark, dass sie stürzt und sich verletzt.

Hergang bei Velo 2010

Wertung der Polizei

Sie weißt auf die Sicherheitstipps bei Velo 2010 hin.

Meine Wertung

Die Unfallhergänge gleichen sich. In beiden Fällen haben die Kraftfahrer die Radfahrerinnen beim Abbiegen an einer Kreuzung übersehen. Beide haben die Radverkehrsanlage genutzt (ob diese dort benutzungspflichtig sind, kann ich nicht sagen).

Zu dem Thema fällt mir immer diese Grafik ein, in der das Verhältnis der Unfallzahlen im Vergleich, Nutzung Fahrbahn zu der anderer (Rad-)Wege, dargestellt wird.

Radwegbenutzer haben ein 3-11 mal höheres Risiko zu verunfallen, als Fahrbahnbenutzer!

Wikipedia

Zahlreiche internationale statistische Erhebungen und wissenschaftliche Untersuchungen weisen nach, dass die Unfallzahlen auf Radwegen deutlich höher sind als auf gemeinsam von allen Fahrzeugen genutzten Fahrbahnen. Auf Radwegen, die räumlich von der Fahrbahn getrennt sind, gibt es häufiger Unfälle in Verbindung mit abbiegenden und kreuzenden Fahrzeugen sowie mehr Alleinunfälle und Kollisionen zwischen Fußgängern und Radfahrern. Die Unfallschwere ist dabei nicht geringer als bei Unfällen auf Fahrbahnen.

Den Verweis der Polizei auf die „Goldenen Regeln“ – finde ich – verhöhnt die Opfer schlichtweg. Warum wird nicht auf die entsprechenden Goldenen Regeln für Autofahrer verwiesen, die 1:1 genauso gelten müssen?

Theoretisch hätte auch der Verweis gereicht:

Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)

I. Allgemeine Verkehrsregeln

§1 Grundregeln

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Mein Fazit

Meine eigene Sicherheit ist mir wichtig. Deswegen habe ich mich entschieden diese an erste Stelle zu setzen und handle dementsprechend: Ich fahre auf der Fahrbahn, wo mich die Kraftfahrer sehen. Die freundlichen Zeitgenossen unter ihnen zeigen es mir, indem sie mich freundlich anhupen. Das ist schön, denn dann haben sie mich zumindest gesehen!

Solange die Stadt Köln und die Politik des Fahrradbeauftragten und sogar der Grünen in Köln eine aggressive Grundstimmung im Verkehrsalltag der Kölner Radfahrer fördert, werde ich mich zu meiner eigenen Sicherheit an bestimmte Regeln nicht halten oder Grauzonen ausnutzen.

Ja, die Kölner Verkehrspolitik fördert es, meiner Meinung nach, durch

  • für Laien (Kraftfahrer und Radfahrer!) nicht einsichtige Radwegführung.
  • uneinheitliche Radverkehrsführung mit Lücken und eingebauten Problemzonen.
  • Förderung von Spurdenken.
  • Verschleppung von Änderungen und Ausruhen im bestehenden Politikbiotop.

Beispiel gefällig?

Meine Anfrage beim Fahrradbeauftragtenbüro vom April, wurde bis heute nicht inhaltlich beantwortet. Bitte warten Sie, unsere Wohlfühlzone ist so schön warm…

6 Replies to “Radunfälle in den Medien”

  1. Über die Situation auf Kölner Radwegen habe auch ich gerade einen Artikel anlässlich der Kölner Fahrrad-Sternfahrt 2010 geschrieben. Bilder belegen, wie die Kölner Radwege bei Bedarf bedenkenlos zur Abstellung von Beschilderungen benutzt und so die Benutzung des Radweges für Radfahrer zu einer riskanten Angelegenheit macht.

    Aus diesem Grund meide auch ich Radwege, wo ich nur kann und fahre lieber auf der Fahrbahn. Meine eigene Sicherheit liegt mir am Herzen.

    http://blog.medienecken.de/koelner-fahrrad-sternfahrt-2010/

    Die Erfahrungen mit dem Fahrradbeauftragten kann ich nur bestätigen und habe diese schon des Öfteren auf meinen Seiten beschrieben: http://blog.medienecken.de/tag/radweg/

    Die Seite der Polizei, die von Simon weiter oben erwähnt wird, beinhaltet meines Erachtens nur Hinweise auf mögliche Strafen für Radfahrer, die sich fehlverhalten. Fehlverhalten wird aber gerade in Köln aufgrund einer vollkommen einseitigen Politik für Autofahrer, somit einer verfehlten Politik für den übrigen Verkehr, provoziert.

  2. Bei Velo2010 ist die Polizei (Verkehrsdirektion)und die Stadt Köln (Fahrradbeauftragter) federführend und sie betreiben in erster Linie Behörden- und Imagepflege – alle anderen Mitglieder sind nur Makulatur. Ernsthafte Maßnahmen, nämlich die Maßregelung der Verkehrsbehörden, werden nicht in Betracht gezogen: So wird auch lediglich an die Radfahrer appelliert, sich immer brav und devot – selbstverständlich mit Helm und StVZO konformer Ausrüstung – unterwegs zu sein. Dabei ist es offensichtlich, dass der überwiegende Teil der Verkehrsunfälle in Verbindung mit Radfahrern durch eine mangelhafte Verkehrsinfrastruktur (z.B. unnötige und gefährliche Radwegbenutzungspflichten, fehlerhafte (Baustellen-) Beschilderung, hastig hingerotzte Radverkehrsanlagen nach dem Stand der Technik von vor zwanzig Jahren) verursacht wird. Fragt man an betreffenden Stellen nach den Ursachen ihrer Untätigkeit, so schieben es die Behörden auf den Gleichmut der Politik und die Politik auf die Unfähigkeit der Behörden.

  3. Hallo,
    jetzt habe ich die Kommentare auch im Newsfeed, sodass ich sie viel früher zu sehen bekomme. :-)

    Was die Internetseite Velo2010 betrifft, kann ich ArVo’s Ausführungen nur bestätigen. Irgendwie liest man immer den „gehobenen Zeigefinger“ mit und Radfahrerunterstützung findet man dort leider nicht.
    Allerdings wird auf die Unfallträchtigkeit von Radwegen verwiesen, aber leider hat das keine Konsequenzen für den Verkehrsplanung oder die Verkehrsüberwachung. Dafür kann ich aber detailliert nachlesen, was es mich kostet, wenn ich einen Verkehrsverstoß begehe.

    Heute bin ich seit langer Zeit mal wieder über die Severinsbrücke gefahren.
    Auf der linksrheinischen Zufahrt steht schon ein Schild „Überholverbot für LKW“ auf dem dort sehr schmalen Geh- und Radweg. Im weiteren Verlauf wird das Durchkommen noch schwieriger, denn der verbleibenden – ich schätze 90 cm – an den Hauptbaustellen der Brücke, sind für Fußgänger, aber auch für Radfahrer freigegeben.

    Noch schlimmer wird es nimmer, könnte man meinen, aber weit gefehlt.

    Die Zu- bzw. Abfahrt der Severinsbrücke im Rechtsrheinischen wird ebenfalls saniert.
    Dort ist der verbleibende Weg für Fußgänger, der auch zur Nutzung mit dem Rad freigeben ist, noch schmaler. Hinzu kommt, dass dieser Radweg auch in der nicht freigegebenen Richtung von Radfahrern benutzt wird, weil diese wahrscheinlich noch nicht die versteckte Auffahrt zur Nordseite der Brücke entdeckt haben.

    Frei nach dem Motto „Et hätt noch immer joot jejange!“ scheint diese Baustelle eingerichtet worden zu sein.

    Hier hätte ich zumindest eine offizielle Verlegung des Radweges auf die Fahrbahn der Severinsbrücke erwartet.
    So viele Brücken gibt es nicht in Köln, die ein Überqueren des Rheins mit einem kleinen Umweg ermögliche.
    Was hätte also gegen einen Fahrradschutzstreifen auf der Fahrbahn gesprochen? Fließender Autoverkehr kann es nicht sein, denn der Verkehr staut sich dort täglich mehrfach.

    Gar nicht erzählen will ich von dem 40-Tonner auf dem Radweg; dem Paketzustelldienst, dessen Fahrer Radwege als Parkfläche für ihre Auslieferungsflächen sehen; usw. usw.

    Nicht unerwähnt lassen möchte ich allerdings auch nicht die Radfahrer, die ohne Licht fahren; Radwege gegen die freigegebene Richtung benutzen oder rücksichtslos durch Fußgängerzonen fahren.

    Eine weitere Aufzählung erspare ich mir und den Lesern.

    Es gibt auf jeden Fall noch viel zu tun und es muss sich noch viel ändern.
    Aber die Rot-Grün hat das ja nach der letzten in den Koalitionsvertrag geschrieben, dass Köln fahrradfreundlicher werden soll, kann es nur besser werden – oder?

    Wenn die Umsetzung dieses Vorhabens allerdings so lange dauert, wie das Aushandeln des Koalitionsvertrages, so werden wohl mehrere Jahre vergehen. ;-)

  4. Pingback: Kölner Fahrradsternfahrt 2010 | Medienecken und wasmirindensinnkommt

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