Ein sehr trauriger Simon

Nein, nicht ich, sondern Kölns Polizeidirektor Helmut Simon ist gemeint.

Im Kölner Stadtanzeiger lese ich gerade:

Eine sehr traurige Bilanz

[…]Außerdem kamen sieben Radfahrer ums Leben, keiner von ihnen trug einen Helm. Helmut Simon nennt dies alles eine „sehr traurige Bilanz“. […]

Kölner Stadtanzeiger

Diese Bemerkung regt mich gleich zweifach auf:

Erstens

…hatte sich die Initiative Velo 2010, an der die Polizei Köln mit beteiligt ist, zum Ziel gesetzt:

Mit den ehrgeizigen Zielen den Lebensraum Straße rücksichtsvoller und partnerschaftlicher von allen Verkehrsteilnehmern in Köln zu nutzen und Unfälle mit verunglückten Radfahrern um mindestens 30 % bis 2010 zu reduzieren will sich der Kreis gemeinsam für mehr Verkehrssicherheit in der Stadt engagieren.

Offensichtlich nicht geschafft. Aber wie selbst die Grünen bemerken: „In der Bürokratie kommt man halt nicht so schnell voran.“ Meine Bemerkung dazu (Achtung, Sarkasmus): Da bleiben eben ein paar Leute auf der Strecke.

Zweitens

Diese ewige Leiher vom Radfahrer, der ja schließlich selber Schuld hat, weil er keinen Helm getragen hat. Das ist unverschämt und – wie ich finde – ziemlich anmaßend. Wenn ich mir die offizielle Dokumentation von Velo 2010 anschaue, sind hier die sieben Unfälle dokumentiert. Und nur bei einem Unfall ist der Radfahrer wohl an seinen Kopfverletzungen gestorben.

Beim dokumentierten Rest der Unfälle hatte der Radfahrer, ob nun verschuldet oder nicht, keine große Chance. Ob mit oder ohne Helm!

Für mich ließt sich die Äußerung eher als Kapitulation. Eine Kapitulation der Polizei vor der – selbst gestellten Aufgabe – die Verkehrstoten zu reduzieren. Wenn Radfahrer keinen Helm tragen, kann auch die Polizei (Stadt Köln, Fahrradbeauftragter etc.) nicht viel ausrichten. Punkt.

Zu hoffen bleibt, dass er das am Ende nicht noch selber glaubt.

Hier mehr von mir zum Thema Fahrradunfälle und Radwegeführung in Köln.

Nachtrag 16.02.2011:

[…]Sieben Radfahrer sind im vergangenen Jahr in Köln bei Unfällen getötet worden, die meisten von ihnen würden nach Überzeugung der Polizei noch leben, wenn sie einen Helm getragen hätten.[…]

KSta

Und es geht immer noch schlimmer…

7 Replies to “Ein sehr trauriger Simon”

  1. Die Zahlen sind zwar bedauerlich, aber man sollte auch bedenken: 9 Fußgänger und 10 Pkw-Fahrer kamen uns Leben. Leider trug keiner von ihnen einen Helm …

    Von den ermittelten 1245 Unfällen mit Radfahrern kamen 7 Radfahrer ums Leben. Wie vielen der restlichen 1238 beteiligten Radfahren hat wohl ein Helm das Leben gerettet? Diese Statistik würde ich gerne einmal sehen.

  2. Was die Ahndung von Verkehrsverstößen von PKW-Fahrern gegen Radfahrer angeht, ist die Kölner Polizei derart lasch! Auch Verstöße von Radfahrern werden kaum geahndet. Mich würde interessieren, wieviel Kaffee im Schnitt von der kölner Polizei verbraucht wird.

  3. „187 Radfahrer wurden 2010 bei Unfälle schwer verletzt. Häufig waren sie selbst schuld, weil sie keinen Helm trugen oder bei Rot über eine Ampel fuhren.“ schreibt der Stadtanzeiger weiter als Bildunterschrift in der dazu gehörigen Fotoline. Da fehlen mir die Worte!

  4. Köln? Polizei? Da habe ich doch schon mehrfach was notiert. Ich monierte Tatsachenbehauptungen in einer Pressemitteilung der Kölner Polizei, nämlich „In Köln und Leverkusen gab es nachweislich vier verunglückte Radfahrer, die ohne den Helm schwerste Verletzungen erlitten hätten.“ und „Als Lebensretter fungierte der Helm auch am Donnerstag“. In einer Antwort, bezeichnenderweise in PDF verpackte Scans eines Laserdruckes, schwurbelt Polizeirat M. Esser zwar viel, sagt aber kein Wort zu den verlangten Nachweisen. Diese Tatsachenbehauptungen sind also gelogen.

  5. Bemerkenswert an dem Zitat des Nachtrags ist, dass meines
    Wissens nur einer von den sieben getöteten Radfahrern an einer Kopfverletzung gestorben ist. Wie hätten da die anderen sechs mit Helm eher überlebt?

    Auch finde die reisserische Überschrift geschmacklos bei
    20% mehr Radverkehr und leicht rückgängigen Unfallzahlen.
    Das finde ich bemerkenswert, vor allem da sich die dem Radverkehr zur Verfügung stehende Verkehrsfläche nicht vergrößert hat. Das könnte man durch aufheben der Benutzungspfilchten ganz leicht ändern.

  6. Hallo Herr Kühn,
    sehr guter Blog!
    Vielleicht etwas off topic: ich habe mir einmal erlaubt, den Hl. Fahrradbeauftragten der Stadt Köln anzuschreiben und wurde böse abgewatscht…
    Vorschläge werden ignoriert bzw. abgewertet, weil man ja das Wissen gepachtet hat…
    mein persönlicher Foto-Tipp für Sie (falls Sie einmal nichts mehr finden sollten): Uni Köln und Umgebung…
    Helmbefreite Grüße!

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